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Cover: ...und der Mann ohne Augen14.02.2017

Die drei ???
(185) ...und der Mann ohne Augen (Erschienen: 2016)
Dauer: 1:01:25

Die drei ??? und der Mann ohne Augen... Es beginnt wie so oft in den letzten Jahren bereits beim Titel. Wäre dies eine Folge aus den 80er-Jahren, hätte diese Folge tatsächlich etwas mit dem "Mysterium" um einen Mann ohne Augen zu tun gehabt.

Doch in dieser Folge geht ziemlich genau die gesamte erste Hälfte lang um einen Häuserbrannt, der gleich zu Beginn zu hören ist, und von dem die Frage ausgeht, ob es ein Unfall war, oder wer den Brannt warum gelegt haben könnte... ...als es urplötzlich eine Wendung nimmt und es jetzt um eine Entführung geht, die vor Jahren passierte. Und auch, wenn die Geschichte so geschrieben wurde, dass ein gewisser Zusammenhang besteht, fühlt sich das für mich dennoch so an, als hätte man die aktuelle Geschichte abrupt beendet und einfach eine beliebig neue begonnen. Oder anders formuliert, dieser ???-Fall könnte genauso gut direkt mit einem Klienten beginnen, der fordert, einer Entführung durch den Mann ohne Augen nachzugehen.

Ebenfalls die von mir schon genannte Diskrepanz zwischen dem Folgentitel und dem Folgeninhalt ist merkwürdig, denn dass der genannte Mann "keine Augen" hat, ist an und für sich irrelevant. Er könnte genauso gut ein Mann mit gelbem Pullover oder mit roten Schuhen sein - stattdessen versucht man durch die - äußerst kurze - "Der hat ja echt keine Augen"-Szene etwas zu schocken, um dann am Ende, immerhin rund die letzte Viertelstunde, alles Stück für Stück durch Geständnisse und Justus-Monologe runtererklären zu lassen.

Die Produktion ist sehr gut und ich mag vor allem die gewählten Musiken. Allerdings klingt Oliver Rohrbeck sehr nasal; ob das einem Schnupfen geschuldet ist...? Naja, wie dem auch sei, es ist zu deutlich zu hören, als dass es nicht auffällt. Man hätte doch kurz erwähnen können, dass Justus gerade eine Erkältung hätte, die aber schon wieder auf dem Wege der Besserung sei. Übrigens: Auch Thomas Fritsch klingt merkwürdig angeschlagen.

Nee, sorry, das war nichts - und das ist NICHT Europas faux pas, denn die Story ist einfach zusammengestückelt und pseudo-spannend.

Meine Wertung: 64%
Cover: Verfolgungsjagd vor Mitternacht05.01.2017

Ein Fall für TKKG
(199) Verfolgungsjagd vor Mitternacht (Erschienen: 2016)
Dauer: 51:45

Ich hab lange mit mir gehadert und dieses Hörspiel wieder und wieder angehört. Denn ich wollte nicht schon wieder nur rummeckern an einem neuen TKKG-Fall. Aber es hilft alles nichts. Dabei sei vorweg erklärt, dass die Geschichte als solche an sich logisch nachvollziehbar ist und theoretisch einen guten Spannungsbogen zu bieten hat. Selbst die Produktion ist klasse - sieht man von 1-2 Ausnahmemomenten ab.

Nein, es sind die Details, die so derbe reinknallen, dass man hier nur den Kopf schütteln kann - und es will mir nicht gelingen, mir diese Details durch zigmaliges Abspielen des Hörspiels "schönzuhören". So gibt es diese eine Szene, in der TKKG die Diebe gestellt haben, diese dann aber doch wegrennen und dabei den TKKGs Böller vor die Füße schmeißen. Da stelle ich mir einerseits die Frage, wie man im Rennen - vor einer Sportskanone wie Tim! - die Zündschnurr von Böllern mit einer Flamme erwischen kann. Müsste der Wind, bei solch einer Geschwindigkeit nicht jede Feuerzeug- oder Streichholzflamme gleich wieder auspusten? Und wie soll man, wenn man wirklich wie der Teufel rennt, die Hände so ruhig halten, dass Flamme und Zündschnurr sich berühren - sofern die Flamme nicht eh schon aus ist? Und außerdem werfen sie in der Hektik die Böller so geschickt nach hinten, dass sie die gewünschten Koordinaten erreichen. Alles klar! Ferner klingen die "Fluggeräusche" der Böller seltsam - seit wann heulen Böller überhaupt? Die knallen doch bloß! Und, ach ja, das Knallgeräusch klingt eher wie eine Bombe unter der Erde, nicht wie ein Böller auf offener Straße.

Schön auch, wie TKKG mit Wascherflaschen die Böller unschädlich machen wollen. Also, tut mir ja leid, aber hier hat der Autor die TKKGs viel zu hoch über den Hai springen lassen: Ha-Ha-Ha! Man stelle sich vor: Man verfolgt ein paar Typen, die jede Sekunde explodierende Böller werfen, und TKKG wollen mit ihren Flaschen Wasser verspritzen, um die Zündschnüre noch vor der Explosion zu löschen... Wie soll das denn bitteschön gehen? Wie schnell und genau treffen die denn diese Schüre? Und wie wollen sie das Wasser verschütten? Das kommt, wenn überhaupt, höchstens stoßweise aus den Flaschen - und zielen kann damit auch nicht, schon gar nicht auf heranfliegende Zündschnüren - da müsste man schon übernatürlich geschickt sein. Physik und so... Ich meine, allein die IDEE zu haben, dass man so gegen zig Böller eine Chance hätte - soviel zum Elite-Internat!

Zu guter Letzt möchte ich noch fragen, warum Tim als Meisterdetektiv gefeiert wird, nur, weil er auf einem Notizblock mit einem Bleistift herumschrubbelt, um sichtbar zu machen, was zuvor darauf notiert wurde. Immerhin wurde dieser Super-Trick schon millionenfach durchgeführt und ist alles andere als neu.

Nun, ich beende das hier mal, aber seid versichert: Diese Geschichte strotzt vor solch merkwürdigen Augenblicken und schrägen Sachverhältnissen (z.B. ein Täter, der geheim bleiben will, aber in sozialen Netzwerken deutliche Rückschlüsse auf sich zulässt. Oder auch: Karl bastelt eine Bombe). Ich meine, sicherlich, in jeder(!) Geschichte, die jemals veröffentlicht wurde, gibt es einige Logiklöcher oder zumindest offene Fragen. TKKG machen hier keine Ausnahme. Aber hier ist sovieles derart verquer, dass es weh tut! Dabei hätte man so vieles sooo einfach lösen können, ohne viel an der Rahmenhandlung zu ändern. Denn die ist, wie schon geschrieben, eigentlich ganz gut. Die Böllerwerfer hätten bei der Flucht vor TKKG z.B. auch einfach mit einem bereitstehenden Mofa abzischen können, ohne, dass sie TKKG im Wegrennen punktgenau Knaller vor die Füße werfen. Aber naja...

Meine Wertung: 50%
Cover: ...und der Hexengarten22.12.2016

Die drei ???
(184) ...und der Hexengarten (Erschienen: 2016)
Dauer: 1:08:39

Diese ???-Folge bietet dermaßen viele Ebenen der Zusammenhänge, da kommt man kaum hinterher. Außerdem habe ich permanent Flashbacks an vergangene Fälle im Kopf. Dass noch dazu völlig klar ist, dass am Ende alle übernatürlichen Dinge als vollkommen irdisch entlarvt werden, muss ich sicherlich nicht lange elaborieren - weshalb diese Elemente also keinerlei Spannung oder Verwunderung hervorrufen. Ferner klingen diverse Charaktere deutlich erkennbar nach Schauspielerei; allen voran die Frost-Schwestern. Gerade ihre Performance klingt eher nach reichen, vom Leben verwöhnten Hupfdohlen, als nach tier- und naturbezogenen Damen.

Womit kann dieses Hörspiel also punkten? Besonders positiv ist mir die allgemeine Produktion aufgefallen; allen voran die tollen Musiken - darunter sogar einige Europa-Klassiker. Doch am Stück ist mir dieser Fall zu konfus. Denn die 68 Minuten in einem Rutsch wegzustecken und dabei immer alles auf dem Schirm zu haben, wollte mir nicht gelingen. An der einen oder der anderen Stelle verlor ich immer den Faden. Ich habe es letztendlich so gemacht, dass ich mir das Hörspiel in drei Abschnitte aufteilte und zunächst den ersten Abschnitt mehrere Male hörte, dann den zweiten Abschnitt mehrere Male und zum Schluss den dritten Abschnitt. So gelang es mir schlussendlich, der ganzen Sache folgen zu können.

Dass das wohl nicht nur an meiner (hoffentlich nicht vorhandenen) Begriffsstutzigkeit liegen muss, wird auch klar, wenn am Ende über 10 Minuten lang erklärt wird, was wer wie wann und warum getan hat und wie alles zusammenhängt. Ich meine: Über 10 Minuten lang! Allerdings kommt noch ein weiterer Umstand ins Spiel: Diese Folge fühlt sich nicht nach "Die drei ???" an, sondern eher wie ein extrem phantasievoller Kinderfilm der Sorte Mary Poppins, Alice im Wunderland oder Der Zauberer von Oz.

Kurz und gut: Die Produktion ist hervorragend, sieht man von einigen unnatürlich klingenden Charakteren ab, aber die Story ist wirsch, geradezu merkwürdig, und meiner Meinung nach eher schwer zu folgen.

Meine Wertung: 60%
Cover: ...und das versunkene Schiff22.12.2016

Fünf Freunde
(119) ...und das versunkene Schiff (Erschienen: 2016)
Dauer: 1:05:11

Ich weiss ja nicht, warum es so war, aber als ich diese Folge das erste Mal hörte, ahnte ich vom Fleck weg, dass "Charakter X" ganz sicher hinter der Sache stecken würde; obwohl die Folge erst wenige Minuten lief und besagter Charakter sympathisch und "gut", und sogar unverdächtig mit den Fünf Freunden umging.

Um nicht zu spoilern, werde ich natürlich keine Einzelheiten verraten, aber es waren, meine ich, gewisse Randfakten, die bei der Einführung des Charakters eine Rolle spielten, welche mich dann wohl auf dessen Fährte setzten. Andererseits waren die meisten anderen Beteiligten in dieser Geschichte eher hintergründig am Storyverlauf beteiligt; sie traten einfach nicht genug ins Rampenlicht, sodass sie später bei einer Entlarvung am Ende der Folge für eine Überraschung oder einen Aha-Effekt gesorgt hätten.

Und das ist es, was mich an dieser Folge knabbern lässt. Ich mag die Atmosphäre, die von den Musiken und Soundeffekten erzeugt wird, die Sprecher/innen machen allesamt einen 1A-Job und die Geschichte selbst ist an und für sich auch sehr gut. Wäre es nur nicht so offensichtlich, dass "Charakter X" stets auf so merkwürdige Weise präsent wäre, während alle anderen keine echt tragenden Rollen spielen, Es ist so, als wäre es bei einem TV-Krimi der Blumenlieferant gewesen, weil er der einzige ist, den man immer wieder zu sehen oder zu hören bekommt, während alle anderen Figuren nicht so recht beleuchtet werden. Hätte man also einige andere Chraktere dieses Hörspiels mehr ins Szene gesetzt, wäre es weit weniger eindeutig gewesen.

Dennoch wurmt mich außerdem, dass George und Dick plötzlich wegrennen, weil sie beleidigt sind, dass nur Julian tauchen darf. Sicherlich, sie sind allesamt um die 12 Jahre alt, also Kinder, und Kinder tun solche Dinge bisweilen; aber nach all den Jahren? Nach den Gefahren, in denen sie zusammenhielten wie Pech und Schwefel? Da rennen sie wegen so einer Bagatelle davon und schmollen? Nun, mir ist schon klar, dass das nur dazu diente, die Kids in zwei Gruppen zu teilen, damit die Geschichte am Ende aufgehen kann, aber dennoch begreife ich nicht, wieso das nicht für George und Dick typischer gelöst wurde; meinetwegen, dass Dick gerade eine Erkältung hat und eh nicht tauchen darf, oder weiss der Geier. Aber diese im Hörspiel genutzte "Lösung" will mir einfach nicht sauber in die Gehörgänge flutschen.

Auch diese merkwürdige Szene, in der Julian etwas erzählt und die andere drei Kids ihn anpflaumen, er hätte ein Geheimnis verraten und so weiter, und das nur, weil er sich wichtig hätte machen wollen. Das mag psychologisch vielleicht stimmen, aber dennoch: Was ist denn los mit den Freunden? Da wird sich nur noch angeblökt, und ich sehe nicht, wo das einen Unterschied zu den vielen Abenteuern vorher macht - wo es immer mal wieder vergleichbare Szenen gab, ohne dass danach aneinander rumngemäkelt wurde. Deshalb empfinde ich auch diesen Hörspiel-Moment als atypisch.

Trotzdem ein ansonsten sehr gutes Hörspiel, dass bis auf die genannten Punkte sehr gut ist.

Meine Wertung: 72%
Cover: Stille Nacht, düstere Nacht06.11.2016

Die drei ???
Stille Nacht, düstere Nacht (Erschienen: 2016)
Dauer: 2:43:46

Wow, ich bin sehr überrascht, wie gut mir dieses Hörspiel gefällt. Das liegt an vielerlei Faktoren. Der für mich wichtigste ist, die Atmosphäre, die beim Hören vorhanden ist. Das Gefühl, auf einem riesigen Messegelände zu sein, kommt hervorragend rüber. Mal was andereos, als an einer Küste oder irgendwo in Rocky Beach zu sein. Interessanterweise empfinde ich sogar Parallelen zu (49) ...und die Comic-Diebe, allerdings nur in Bezug auf das Messefeeling, denn der Fall ist ein ganz anderer und keineswegs recycled.

Das bringt mich zum nächsten (positiven) Faktor. Der Fall ist also absolut neu, aber dennoch birgt er haufenweise Reminiszenzen vergangener Tage, und das nicht nur für Justus, Peter und Bob, die Mr. Nostigon (aus (18) ...und die Geisterinsel) wiedertreffen, sondern, besonders für uns Hörer/innen. Im Großen und Ganzen dreht sich der vorliegende Fall nämlich um die TV- und Spielzeugserie "Heroes of the Universe", die auf so vielschichtige Weise den "Masters of the Universe" entliehen ist, dass es weit über die ähnlichen Namen der Helden und Schurken hinausgeht. So gibt es also nicht nur Freeman, Skulldor, Beastor oder Quorko, sondern auch die "zugehörigen" Sprecher der deutschen Tele-5-Synchro; soll heißen, Freeman (He-Man) wird von Helgo Liebig gesprochen, Skulldor (Skeletor) von Herbert Tennigkeit und so weiter. Ein nettes Detail am Rande.

Wobei das wörtlich zu nehmen ist, denn obwohl diese Charaktere hin und wieder zu hören sind, sind diese an und für sich nur indirekt relevant für den Fall, sodass sie nicht permanent zu Wort zu kommen. Das hat zum Einen den schönen Nebeneffekt, dass sich diese Quasi-Cameos von Liebig, Tennigkeit, Grimm und Barth nicht abnutzen oder gar nerven, zum Anderen aber auch den Vorteil, dass "Stille Nacht, düstere Nacht" nicht zum reinen Selbstzweck verkommt. Im Gegenteil, der Fall ist durchweg spannend und bietet diverse Wendungen und Überraschungen - und das bei DER Spielzeit, wohlgemerkt!

Obendrein haben die Europas sich große Mühe gegeben, auch beim Rest der Produktion ranzuklotzen. Alle Sprecher/innen machen einen tadellosen Job und bieten zudem ein Weiderhören der angenehmen Art, allen voran Christian Rode, der bei den Masters-Hörspielen (allermeistens) den Beast-Man sprach; wie - nebenbei bemerkt! - ja auch Michael Grimm (in den späteren Masters-Folgen). Dass außer Christian Rode sonst niemand der "alten Masters-Hörspielsprecher/innen" dabei ist, liegt wohl daran, dass diese entweder bereits verstorben oder nicht mehr in der Branche tätig sind - beziehungsweise in einigen wenigen Fällen schlicht nur noch Synchron-Aufträge annehmen; jedenfalls, wenn man von den tragenden Rollen der Hörspielserie ausgeht. Dennoch wären beispielsweise Katja Brügger, Douglas Welbat oder Jörg Gillner sowas wie das Sahnehäubchen gewesen. Doch ist das Meckern auf (aller-)höchstem Niveau!

Auch Musiken und Soundeffekte machen da übrigens keine Ausnahme. So gibt es unter anderem eine Variation des ???-Vocoder-Titelsongs und auch sonst mehrere Tracks der guten, alten Zeit. Nicht zu vergessen, dass die Europas es nicht versäumten, auch so manches Masters-Hörspielstück einzuflechten, wie im Besonderen das Hauptthema (Military Tension) oder auch das Thema der "Bösen" (Iceworm Waltz).

Kurz und gut: Dieses Hörspiel macht einfach jede Menge Spaß. Spaß, mitzuraten, wer es warum gewesen sein könnte, Spaß, immer wieder die vielen Anspielungen (Rode etwa war ja mal auch der Hörspiel-Sherlock-Holmes und tritt hier als resoluter Ermittler mit ähnlichem Namen auf) und Cameos wahrzunehmen - ohne, dass all das anbiedernd oder aufdringlich wäre. Spaß, die Musiken mal wieder zu hören. Spaß, die "Messe-Atmosphäre" zu empfinden...

Zum Fall an sich mag ich eigentlich nicht so viel schreiben, einfach auch, weil ich nicht spoilern will. Dennoch möchte ich einen Fakt nennen. Nämlich, dass ich das Ende eine winzige Spur zu dick aufgetragen finde. So ohne Weiteres darf man auch nicht alles mit seinen Kunden machen, schon gar nicht, ohne sie über diverse Produkteigenschaften im Unklaren zu lassen. Trotzdem bin ich nicht so naiv, mir solcherlei Praktiken nicht dennoch vorstellen zu können, weshalb ich hier keine Probleme habe, ein Auge zuzudrücken... Bei dieser Nennung belasse ich es an dieser Stelle einfach einmal. :)

Fazit: Ganz großes (Ohren-)Kino, liebe Europas - vielen Dank! Ernsthaft: Danke!

PS: Allerdings gibt es wieder mal Tonschwankungen. Auf CD 2 klingt es für die Dauer eines CD-Tracks urplötzlich etwas dumpfer und weniger transparent... Hach man...

Das Zitat der Folge kommt von Freeman: Bei der Macht des Universums, ich will Nachtisch!

Meine Wertung: 95%
Cover: Der Golem vom Dunkelsee23.10.2016

Ein Fall für TKKG
(198) Der Golem vom Dunkelsee (Erschienen: 2016)
Dauer: 58:33

Die erste TKKG-Folge mit dem neuen Karl; lässt man die drei vorherigen Folgen einmal beiseite, denn diese gibt es seit kurzer Zeit nur noch in der Neuauflage, wo der Nowotny-Karl gegen den Diakow-Karl ersetzt wurde. An und für sich macht Tobias Diakow seinen Job sehr gut, ich finde sogar, dass er wie jemand klingt, der dem (wenn auch stark stereotypen) Karl-Wesen entspricht. Dennoch ist es sehr schwer, sich von einer seit Jahren so stark vertrauten Stimme zu entwöhnen, weshalb ich eine endgültige Wertung in diesem Punkt vorerst schuldig bleibe, denn die wäre einfach noch zu subjektiv.

Trotzdem ist Karl hier ein gutes Stichwort, denn als "Computer" wäre es sein Job gewesen, erstmal zu erklären, was eigentlich ein Golem ist. Mir ist der Begriff zwar geläufig, aber so manches Kind wird mit diesem wohl nicht sehr viel anfangen können. Doch selbst wenn nicht, Karl hat desöfteren auch schon so einige unnötige Dinge erklärt - dass er das ausgerechnet hier nicht tut, wirkt auch mich jedes Mal seltsam. Ebenso seltsam finde ich, dass Karl nicht eingreift, als man den seit langer Zeit in der prallen Sonne liegenden und bislang noch schlafenden Klößchen ins Wasser wirft. Das allein wäre schon gefährlich (Kreislauf!), ist aber bei einem unsportlichen Menschen mit Übergewicht umso gefährlicher. Kurz: Gleich zweimal hätte Karl hier glänzen können, und so außerdem den Zuhörer-Kids noch einimpfen können, dass nicht jeder Scherz witzig enden muss.

Überhaupt fehlt es in diesem Hörspiel massiv an Erklärungen. Mal wäre es einfach nur schön gewesen, etwas Neues zu lernen (Warum ist es bei Gewitter gefährlich, mitten auf einem See zu treiben?), und mal wäre es wirklich wichtig gewesen, diverse Gedankengänge ordentlich erklärt zu bekommen. Wie beispielsweise jener, der verständlich macht, wieso eine Dosen-mit-Schnüre-Alarmanlage, mit einem Seil/Faden befestigt am Reißverschluss eines Zelteingangs, eine gute Idee ist. Es kann zig Gründe geben, dass die Dosen klappern (der Verdächtige könnte auch einfach gegen sein Zelt stoßen, wenn er sich im Schlaf herumwälzt, oder er könnte auch bloß mal austreten wollen), und was mir gar nicht in die Hirnsülze will, ist, wie es funktioniert, dass ausschließlich die TKKGs das Klappern hören. Niemand wird davon wach - niemand sonst. Im Gegenteil: Eigentlich hört sogar nur Tim die Dosen, denn er muss sogar KK und G bescheid geben. Nicht zu vergessen, dass der Verdächtige a) das Geräusch selbst auch nicht zu hören scheint und b), FALLS er es doch gehört hat, deshalb offenbar kein Stück misstrauisch wird.

Erklärt wird ferner nicht, weshalb Tim ohne Zaudern dem Verdächtigen plötzlich alles glaubt, nur, weil er es ihm erzählt. Tim badet sonst in Misstrauen, aber hier läuft er stumpf Gefahr, einem Dritten übel mitzuspielen - einfach, weil er dem Verdächtigen ohne echten Grund glaubt.

Tja, und das war nur die Spitze des Eisbergs: Solcherlei Dinge gibt es immer mal wieder in diesem TKKG-Hörspiel. Doch lasse ich es an dieser Stelle einfach mal damit bewenden. Trotzdem ist es gerade dieser Umstand, der mir das Hörspiel vermiest - denn würden diese Ungereimtheit nicht sein, wäre das ein wirklich toller TKKG-Fall. Man hätte Klößchen auch einfach nicht ins Wasser werfen können, Karl hätte an einigen Stellen nur kurz den Mund aufmachen brauchen, und statt der Dosen-Klapper-Nummer hätte Tim zum Beispiel Nachtwache schieben und dabei den Schurken im Auge behalten können - und auch alles andere hätte man mit einigen winzigen Anpassungen locker-flockig ins rechte Licht rücken können.

Warum man das nicht tat, weiß ich nicht, ich kann es nicht mal ahnen. Doch bedauerlich ist es definitiv, denn denkt man sich die kleinen Korrekturen, wäre das hier ein grandioses Hörspiel... ...das ansonsten vor tollen Sprecherleistungen (Fabian Harloff, yes!) und Atmosphäre nur so strotzt (Chapeau, liebe Europas!), und auch einen an und für sich sehr guten Fall zu bieten hat. Schade!

PS: Die Erscheckungsszene am Ende, also wow, Herr Draeger - selbst mir lief es beim ersten Mal kalt den Rücken runter! Super!

Meine Wertung: 63%
Cover: ...und der letzte Song05.10.2016

Die drei ???
(183) ...und der letzte Song (Erschienen: 2016)
Dauer: 1:15:44

Insgesamt gefällt mir dieses Hörspiel sehr gut, aber was mir bei jedem Gedanken an diesem ???-Fall einfällt, ist, dass Peter Kirchberger als Lenny eine absolute Fehlbesetzung ist. Er hat ohne Zweifel eine charismatische Stimme, aber er klingt weder nach Rock oder Roll, noch nach jemandem, der gegen Ungerechtigkeiten aufbegehrt. Und er klingt auch nicht nach jemandem, der eine bewegte Karriere im Muiskbusiness und viele Meilen auf Tour vorweisen kann. Er klingt wie irgendwer, wenn er spricht, und er klingt nach Rocker-Parodie, wenn er singt, weil sein "Gesang" eher wie schnell auf die Musik draufgesprochener Singsang wirkt; es klingt nicht ernsthaft genug.

Doch auch der Autor dieser Story, Ben Nevis, trägt seinen Teil zur Unglaubwürdigkeit von Lenny The Rock bei, denn die Texte klingen nicht nach Rock, sondern eher wie Schlagerlyrik voller Kalenderspruchplatitüden: "Niemals allein in Beverly Hills..." Seltsam auch der im Hörspiel so genannte Lala-Song, der sich so anhört, als wäre er eigentlich bloß ein Gedicht, zum dem Musik gespielt wird.

Verwunderlich in dem Zusammenhang auch, dass Justus es auffällig findet, dass Lenny den Songtext nochmal geändert hat. Immerhin ist der Song unveröffentlicht und für den Rest der Welt nicht existent, warum sollte Lenny also nicht doch nochmal am Text herumfeilen? Außerdem frage ich mich, wenn Lenny eine gewisse Person mit dem Vortragen des neuen Songtextes provizieren will, denn diese gewisse Person kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass alle, die den Song mit diesem Text hören, bloß an eine Art Metapher, oder schlimmstenfalls für einfach irgendeinen Rocksong-Text denken. Hunderte Lieder in der Geschichte der Menschheit handeln von Verbrechen, großen wie kleinen - wieso sollte es hier eine Ausnahme sein? Noch dazu auf einem ganz normalen Konzert, wo niemand tiefgründig auf die dort gesungenen Texte achtet. Wem sollte das auffallen? Warum sollte diese gewisse Person also deshalb unruhig werden?

Trotzdem, wie ich schon schrieb, mag ich dieses Hörspiel gern hören. Es ist super produziert, bietet viele tolle Sprecher/innen, die Story geht auch gut ins Ohr, und die allgemeine Klangatmosphäre tut ihr Übriges.

Meine Wertung: 86%
Cover: ...und der falsche Patient20.09.2016

Fünf Freunde
(118) ...und der falsche Patient (Erschienen: 2016)
Dauer: 53:35

Etwas merkwürdig ist ja der Aufhänger dieser Folge: Onkel Quentin wird bestohlen. Natürlich gehört sich sowas nicht und so weiter, aber der wird doch da nicht zum ersten Mal bestohlen, und außerdem arbeitet er ständig an irgendwelchen supergeheimen Sachen rum - ist doch klar, dass da Langfinger nicht weit sind. Warum also wundert das irgendwen?

Ebenso merkwürdig die Moralpredig von Tante Fanny an die Kids. Natürlich hat Fanny schon immer mal ermahnt und um "Raushalten!" gebeten, aber trotzdem wirkt es seltsam, das immer wieder zu hören, denn der Fünfer löst alle paar Tage einen neuen Fall, der irgendwas mit Schmugglern, Dieben und alledem zu tun hat. Und auf einmal stellt Tante Fanny fest, dass die Kids sich dabei in Gefahr begeben!? :)

Das aber sind in der Tat die einzigen beiden negativen Auffälligkeiten (sofern man das überhaupt so nennen kann!) dieser Folge. Ansonsten geht sie gut ins Ohr, ist relativ spannend und bietet bis kurz vor Schluss Unklarheiten, wer was warum tat. Dazu die tolle Produktion und einige Altbekannte wie Jürgen Thormann und Rüdiger Schulzki mischen mit. Kaufen!

Meine Wertung: 71%
Cover: Im Haus des Henkers01.08.2016

Die drei ???
(182) Im Haus des Henkers (Erschienen: 2016)
Dauer: 1:15:25

Schon wieder ein übertrieben reißerischer Titel... Aaaach, Kosmos... hach... Dieses Mal liest sich aber auch der Kladdentext etwas arg überdramatisiert, ohne aber jemals konkret zu werden: "ermitteln an düsteren Orten und geraten in die Gesellschaft zwielichtiger Gestalten" - ist das nicht eh in praktisch jeder Folge so? Lassen wir das... *seufz*

Ich weiss noch, als ich das Buch las, dass ich das erste Drittel sehr spannend fand, ganz besonders die Szene im Bus, weil ich diese als sehr stimmungsvoll und auf angenehme Weise irritierend empfand. Im Hörspiel kommt das Feeling eigentlich gar nicht auf. Ein Typ gesteht der Polizei seine Tat per Handy und plötzlich will Justus den Bus stoppen lassen. Das geht alles etwas sehr schnell.

Doch dann geht es erstmal einigermaßen interessant und nachvollziehbar weiter. Bis dann plötzlich von irgendwelchen wirren Dingen die Rede ist. Eine Damenbrille, Initialen und ein Sichelbeil. Ach ja: Was ist überhaupt ein Sichelbeil? Meiner Unwissenheit folgend beauftragte ich im Internet einige Suchmaschinen mit der Beantwortung dessen, doch ich bekam keine Antwort darauf. Wie können also die drei ??? dieser Beschreibung folgen, oder sie gar selbst initiieren? Und vor allem: Was soll ich als Hörer (und Leser) mir darunter vorstellen? Umso ärgerlicher, dass "Sichelbeil" DER Terminus zu sein scheint, um den es geht. Man wird förmlich mit der Nase hineingeschubst. Doch letzten Endes stellt sich dann doch heraus, dass all diese Dinge, inklusive Sichelbeil, wohl doch nicht sooo wichtig waren. Erst später fiel mir auf, dass man auf dem Covermotiv - offenbar - ein Sichelbeil sehen kann.

Der Rest des Hörspiels, und natürlich auch des Buches, ist dann eigentlich nur noch ein nicht immer leicht verständlicher Hickhack in einer Geisterbahn. Da geht es um Schienen, Gondeln, Menschen in Geisterkostümen und all das, immer wieder geht es auch um geheime Räume in dieser Geisterbahn. Und ich geb's gern zu: Mir ist das alles etwas zu wirsch - ich kann dem kaum folgen. Rein in die Bahn, raus aus der Bahn, rein in die Bahn..., raus..., rein... Irgendwo sieht Justus was, dann sieht irgendwer eine Schienenweiche, irgendwie verschwindet Peter, taucht dann wieder auf, dann ist Bob weg - alles das passiert gefühlt gleichzeitig... *achselzuck*

Abschließend noch ein paar Worte zur Produktion: Per se alles wie immer. Gewohnt gut. Aber des öfteren werden einige Passagen etwas zu laut, gerade in der Geisterbahn, wenn all die schauerlichen Geräusche, wie Kettenrasseln, Geister-Rufe, Henkersgelächter und so zu hören sind, muss man nicht selten leiser-lauter-leiser-lauter machen. Auch ist die Hintergrundbeschallung einiger Szenen merkwürdig. Mal klingt es richtig geil nach Jahrmarkt und Rummelplatz, und dann, als würde man an einer Spielstraße vorbeilaufen, auf der Kinder Fangen spielen, oder Fussball, oder sowas.

Aufgefallen ist mir auch die Stimme von Thomas Fritsch. Herr Fritsch macht das gewohnt sehr gut, aber entweder war er zu nah am Mikrofon, oder irgendetwas bei der Aufnahme oder beim Mischen war nicht optimal justiert. Seine Stimme klingt hin und wieder etwas übersteuert und auch zu laut; ein wenig, als wäre das Mikro in seinem Kehlkopf angebracht. Und auch die ganze Szene mit Daphne ist schräg. Zum Einen klingt Daphne etwas an der Atmosphäre vorbei, die Betonung ist oft nicht richtig, und es wirkt außerdem aufgesetzt, theatralisch und zudem sehr geixt. Und zum Anderen wirkt vor allem Bob seltsam: Dauernd das Gefasel von "Edlen Rittern" und sein Tonfall hat etwas Flehendes, wie ein Charmeur, der den Fahrkartenkontrolleur mit Worten um den Finger wickeln will.

Nun, bleibt mir noch das Fazit: Eine gerade noch ausreichende Folge. Aber nur, weil die etwas konfuse Story hier und dort ihre Momente hat, und weil es schön ist, mal wieder die Stimmen von Pia Werfel und Rüdiger Schulzki zu hören.

Meine Wertung: 63%
Cover: ...und der Wolf in den Highlands04.07.2016

Fünf Freunde
(117) ...und der Wolf in den Highlands (Erschienen: 2016)
Dauer: 1:02:13

Nee, tut mir leid, das hier ist nichts. Ich hab's lange versucht, aber nein, dieses Hörspiel funktioniert einfach nicht.

Es passiert eigentlich gar nichts in dieser Geschichte, obwohl der GZSZ-artige Plot auf stolze 60 Minuten aufgebläht wird: In den ersten 37(!) Minuten geht es nur darum, uns davon in Kenntnis zu setzen, dass Edward Julie liebt, aber sie dies nicht erwidert. Und dann passiert was: Edwards Schafe wurden von Kevins Wolf gerissen, sagt Edward - und Anne schluchzt und schimpft auf Wölfe, während die Kids per Zufall einen Geheimgang finden. Das dauert insgesamt 20 Minuten. Und DANN erklärt man ausladend, dass die Schafe leben und dass Edward eifersüchtig war. Kurz: Es passiert nichts. Einfach nichts. Keine Ermittlungen, keine Recherchen oder sowas. Im Grunde hört man nur Anne dabei zu, wie sie auf Wölfe schimpft (weil die ja Schafe reißen). Plötzlich - am Ende! - ein Zufall, man entdeckt, dass die Schafe leben und man stellt Edward zur Rede, der alles erklärt. Und natürlich hat Anne dann auch wieder den Wolf lieb.

Selbst, wenn man den Plot, im Gegensatz zu mir, ganz okay bis sehr gut fände, es gibt viel zu viele Ungereimtheiten. Ein zahmer Wolf? Wie bitte? Da wäre er aber einer von einer Quadrillion. Aber ok, nehmen wir mal eben KURZ AN, dieser eine Wolf ist zahm, dann frage ich mich, wieso Edwards Anschuldigung einfach so geglaubt wird. Er hat den Wolf nicht bei der vermeintlichen Tat gesehen oder sonstige Spuren, die auf einen Wolf - oder irgendein anderes Tier als Täter - hinweisen. Ferner kann er nicht mal die leblosen Körper der Schafe vorweisen. Er hat lediglich eine Behauptung von sich gegeben, mehr nicht. OK, ja, ich kann mir gut vorstellen, dass viele Menschen sich allein schon durch eine solche Behauptung gehörig beeinflussen und verängstigen lassen, aber was ist mit der Polizei? Müsste die nicht zumindest VERSUCHEN, Spuren zu sichern und irgendwelche Anhaltspunkte zu finden? Da könnte ja sonst jeder kommen und andere für irgendeinen dahergelaberten Blödsinn in den Knast wandern lassen.

Macht am Ende also eine Folge, die mir zu sehr darauf basiert, eine vermeintlich gute Idee noch irgendwie hinzudrehen. Dabei trifft hier nicht das Körting-Team die Schuld, denn im Studio selbst wurde wieder mal alles 1A arrangiert: Effekte, Musiken, Sprecher/innen... Es ist die Story selbst.

Meine Wertung: 50%
© http://www.hoerspiel-request.de