Masters of the Universe

Cover: Im Netz des Bösen
Rolle Sprecher/in
-Erzähler/in- Patrick Messe
Adam David M. Schulze
Evil-Lyn Maria Koschny
Fisto Jens Wendland
Grizzlor Christian Deutsch
He-Man David M. Schulze
Hordak Wolfgang Häntsch
Leech Klaus Krückemeyer
Man-At-Arms Achim Buch
Mantenna Toni Sattler
Marle Christiane Werk
Mutter Sarah Diener
Orko Matthias Brinck
Raenius Tino Kiessling
Rala Katharina Koschny
Skeletor Johannes Steck
Teela Lisa Cardinale
Theydon Joachim Ziebe
Zauberin von Grayskull Kerstin Draeger
Rezension vom: 08.12.2024

Masters of the Universe
(1) Im Netz des Bösen
Erschienen: 2024
Dauer: 1:09:26


Eine Horde plündernder Banditen hält die Randbezirke von Eternis in Atem. Die Verteidiger Eternias brechen auf, um der bedrohten Bevölkerung zu helfen. Doch kaum angekommen, können sie nur noch mit ansehen, wie der mysteriöse Hordak die verzweifelten Menschen aufwiegelt: Sie sollen gegen das sagenumwobene Castle Grayskull stürmen, dem angeblichen Grund für ihre Not. Alle Hoffnung ruht nun auf dem legendären He-Man.

Mein Kommentar: Wer hätte das gedacht!? Nach so vielen Jahren gibt es neue, offizielle Masters-Hörspiele. Allerdings, das sei nicht unter den Tisch gekehrt, es handelt sich hier nicht um eine Fortsetzung der 80er-Europa-Hörspiele, sondern um ein eigenständiges Produkt. Ebenfalls nicht unbenannt seien diverse Hörspiele, die zwischenzeitlich erschienen waren, aber keinen nennenswerten Erfolg erzielten, und bestenfalls von sammelnden Fans als Komplettierungsdevotionalie wirklich geschätzt werden.

Aktuell (Dezember 2024) sollen wohl 30 Folgen entstehen, 3 sind bislang veröffentlicht und bisher scheint es so, als wären die Folgen eine aufeinanderfolgende, zusammenhängende Story. Eine große Geschichte, sozusagen. Ob dem wirklich so ist, oder ob es doch immer mal wieder in sich geschlossene Story-Enden und -Anfänge gibt, bleibt momentan abzuwarten.

Neugierig war ich jedenfalls von Beginn der allerersten Infos an, sehr. Aber auch extrem skeptisch, das will ich in aller Deutlichkeit verstanden wissen. Allzu oft hatten Masters-Geschichten in den letzten Jahren eine starke Fanfiction-Schlagseite. Bestenfalls vereinzelt okaye Sprecher/innen, nicht selten sterile Produktionen, unecht wirkende Dialoge, und die Verhältnisse der Charaktere zueinander waren bisweilen auch merkwürdig, wenn nicht gar atypisch.

Nun sind also die ersten Hörspiele erschienen und ich konnte mir selbst ein Bild machen. Ich werde in diesem Rahmen aber lediglich Im Netz des Bösen besprechen. Die übrigen Folgen werden dann jeweils separat abgehandelt.

Jedenfalls: Das Hörspiel beginnt. Nach der Titelmusik setzt der Erzähler ein. Patrick Messe verkörpert diesen. Ein sehr guter Sprecher, wie ich finde, den man viel in der Werbung, in Dokus oder auch in Trailern hören kann. Zumeist spricht er dort mit einer tiefen, sonoren, betont sanften Stimme. Für die üblichen 20-30 Sekunden eines Werbespots ist das okay und ich möchte keineswegs sein Talent oder seine Fähigkeiten infrage stellen, und die Regie hat natürlich ebenfalls einen großen Einfluss auf die Performance. Aber Herr Messe spricht über das gesamte Hörspiel hinweg extrem tief, fast schon kehlig, und ruhig. Eigentlich bemüht tief und ruhig. Ich habe unentwegt das Gefühl, dass er eigentlich ein Deo-Spray oder einen Bausparvertrag anpreist, aber wohl den falschen Text vorträgt - ohne es zu merken. Kurz: Der Erzähler reißt mich mit jedem seiner Einsätze aus der Geschichte. Mein Regievorschlag wäre, ihn zu bitten, sich seiner normalen Sprechstimme zu nähern und einen kleinen Schuss "mehr Märchenonkel" zu intonieren.

Die Menschen von Eternis leben in Angst. Sie werden ständig ausgeplündert und bedroht. Allein können sie sich nicht wehren und niemand hilft ihnen. Endlich trifft Hilfe ein, aber die Soldaten scheinen ihr Versprechen nicht ernstzunehmen. Zwei Fremde, Hordak und Lyn, erkennen die Situation und verstehen es, die aufgewiegelte Stimmung der Bewohner/innen zu nutzen. So soll es wirken. Aber zumindest in der ersten Viertelstunde, in welcher die drei Parteien Bewohner/innen, Hordak/Lyn und die Soldaten miteinander sprechen, muss ich sagen: Die Dorfbewohner/innen haben durchaus recht. Welches eigene Bild will man sich wozu über diese Situation machen? Da sind drei Typen, die die Leute bestehlen. So einfach ist das. Zumal: Grizzlor, Mantenna und Leech scheinen weder besonders helle, noch besonders fähige Kämpfer zu sein. Sie wirken auf mich lediglich so, als seien sie zwar den Menschen im Dorf überlegen, aber ein kleiner Trupp von Soldaten sollte damit locker fertig werden - so klingt es jedenfalls.

Auch beim späteren Gespräch zwischen ihnen und Teela kommt nichts außer einer gewissen Überheblichkeit rüber und als dann He-Man auftaucht, geben die drei schnell auf und machen sich vom Acker. Ich spüre keinerlei wahre Bedrohung von den dreien, sie wirken bestenfalls wie Halunken, die sich an den Schwächeren vergreifen. Was es da erst noch groß zu überblicken gibt, verstehe ich nicht. Dann tritt eine ältere Dame heraus, bittet darum, sich zu beruhigen, man würde bestimmt einen Weg finden. Aber welcher soll das sein? Die Situation scheint mir unnötig verkompliziert zu werden: Man stellt ein paar Wachen auf, und die geben Alarm, wenn die drei Typen kommen - und dann stellt man sie zur Rede, oder vertreibt sie. Was gibt es da zu planen oder zu besprechen!? Wenn es etwas gibt, oder falls Grizzlor, Mantenna und Leech wirklich sehr gefährlich sind, sollte man mich als Hörer in Kenntnis setzen. Ich weiss, ich weiss, Grizzlor, Mantenna und Leech sind eigentlich tatsächlich sehr gefährliche Wesen und sie haben ihre eigenen besonderen Kräfte. Doch davon ist nichts zu hören. Im Gegenteil, nachdem He-Man sie vertrieb, kommt bei ihnen die Idee auf, sich ein anderes Dorf zum Plündern zu suchen und He-Man einfach aus dem Weg zu gehen. Mehr noch: Die Serie beginnt ja komplett bei null. Alle Charaktere werden jetzt erst noch eingeführt. Davon ausgehend, aus Zuhörersicht gefragt: Wieso haben sich also nicht längst ein paar wackere Soldaten mal diese drei Gauner vorgenommen und ihnen den Hintern versohlt?

Im Zuge dessen, auf das Ende dieser Folge blickend, verstehe ich außerdem nicht: Hordak wiegelt die Menschen auf, Castle Grayskull zu stürmen, denn die Burg sei der Grund, warum sie dauernd ausgeplündert würden. Die Menschen ziehen entschlossen los, und dort angekommen, sind sie direkt bereit, Grayskulls Tore einzureißen. Ob ihnen das überhaupt gelingen könnte, steht auf einem anderen Blatt, aber der eiserne Wille ist da. Auch hier fehlt mir die Erklärung, warum man nicht geschlossen gegen drei Banditen aufbegehrt, aber mehr als genug Mut und inneren Glauben an sich selbst aufbringt, um eine große, (vermeintlich) böse und magische Burg zu stürmen, die, so scheint es zu sein, mehr oder weniger plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht ist. Da könnten sie sich genauso gut auch Grizzlor, Mantenna und Leech in den Weg stellen.

Als Randgedanken noch die Frage, was Hordak sich von alledem verspricht, denn er allein ist bereits sehr mächtig und könnte sich Grayskull entgegenstellen, gerade, wenn die Burg noch geschwächt ist. Möglich wäre nur, dass Hordak seine Kräfte noch nicht hat oder sie nicht einsetzen kann. Erklärt wird das aber nicht. Es ist eben nicht immer einfsch zu erkennen, was genau der 80er-Toyline entsprechen soll, und wo man sich woanders bedient. Hat man vergessen, einen Zusammenhang zu erwähnen? Oder ist das eine Anspielung auf eine andere Line, die man so einflechtet? Oder wird das noch erklärt werden, wenn die Zeit reif ist?

Davon abgesehen, bin ich mit diesem Hörspiel, was seine Story angeht, durchaus im Reinen. Hätte ich vorher, muss ich zugeben, nicht gedacht. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Die üblichen Dinge am Rande will ich aber dennoch loswerden.

Adam springt von vielen Metern hoch aus auf die Erde zu und während seines Falls verwandelt er sich in He-Man. Das soll niemand bemerken? Jemand stürzt herab und das kriegt niemand mit? Könnte sein. Aber bislang ging Adams Verwandlung in He-Man immer mit vielen großen Blitzen und Lichtkegeln einher. Und falls dem hier auch so ist, muss ich mich schon wundern, wieso niemand dieses Spektakel, mitten in der Luft, bemerken oder zumindest seltsam finden sollte. Ferner fehlt die Erklärung, warum ein Adam sich beim Aufprall auf den Boden verletzten sollte, aber ein He-Man nicht - der fiele wegen des höheren Gewichts schließlich sogar noch schneller zu Boden. 1 oder 2 Sätze, dass und wie He-Man etwas seinen Fall bremsen oder sich beim Aufprall geschickt abrollen würde, hätten hier geholfen.

Dass es eine Szene gibt, in welcher Orko und Man-at-Arms vom Adam-He-Man-Verwandlungs-Geheimnis erfahren, finde ich sehr gut. Aber es hätte eine Ecke "feierlicher" sein können, denn so wirklich bedeutsam empfinde ich den gewählten Moment nicht. Mehr noch, Orko und Arms sind zwar für einen kurzen Moment erstaunt, aber alles in allem wird die Szene sehr flott abgehakt als: "Ach, Du bist das? Aha! - Sagt es niemandem! - Okay, wir verraten nichts."

Und achja, Orko: Schön ist, dass er seine Zaubersprüche stets mit "Oh, Orko aus dem Zauberland..." beginnt. Ein nettes Zugeständnis an die Europa-Hörspiele. Doch seine Stimme (und die Performance von Matthias Brinck) finde ich aktuell noch etwas gewöhungsbedürftig, keineswegs schlecht, aber hmm, ich weiss noch nicht so recht... Ein endgültiges Urteil bleibe ich darum vorerst noch schuldig. Ich wollte es aber dennoch erwähnt haben. Das gilt auch für Lisa Cardinale als Teela. Sie klingt mir oft noch mild zu geixt, mild zu unecht. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Überhaupt finden sich sehr viele Anspielungen auf Europa, Filmation, die Mini-Comics und - natürlich sowieso - Ehapa (sowie etwas Interpart). Wichtig ist hier auch zu betonen, dass diese Reihe auf der klassischen, originalen Masters-Reihe der 80er fußt. Das heißt, die 2000er, Classics, Origins oder welche Reihen sonst, werden hier nicht aufgegriffen. Allerdings wird in gewissen Dosen auf vielerlei Dinge daraus Bezug genommen oder diese werden zitiert. Und es macht Spaß, diese Dinge zu bemerken. Aber auch, sich zu fragen, welche Anspielungen man bislang vielleicht verpasst hat. Wie vorhin aber schon erwähnt, kommt da auch eine milde Unsicherheit: Fehlt da was, warum wurde es weggelassen? Oder kommt das später noch? Einige Dinge wirken bei all der MIxerei eben, ja... ...verunsichernd. Ist das nun so gewollt, oder hat man etwas übersehen?

Fisto als Charakter mehr Farbe zu geben, gefällt mir. In der Vergangenheit war er immer einer von vielen, und ohne nennenswerte Persönlichkeit. Man mag ja darüber diskutieren können, ob seine "Cooler 80er-Jahre Actionheld"-Sprüche, verbunden mit seiner Lache, notwendig sind, aber ich finde es ganz okay. Ich finde jedoch auch, es könnte aber geringer dosiert werden, denn es gibt kaum etwas von Fisto gesagtes, ohne einen seiner Sprüche und/oder seiner Lache hintendran. Das wirkt auf Dauer flach und nach erzwungener Comic-Relief-Pausenclownerie.

Über Kerstin Draeger übrigens habe ich mich besonders gefreut. Da sie die Zauberin spricht, hat sie eine wichtige Rolle und wird demnach wohl häufiger zu hören sein. Super!

Zu hören sind ansonsten viele weitere Personen in vielen Nebenrollen. Darunter Personen, die vor allem im deutschen Masters-Fandom sehr bekannt sind. Es sind aber so viele Stimmen zu hören, dass man teilweise nicht mitkommt, wer jetzt gerade spricht. Auch klingen mehrere Stimmen doch recht ähnlich zueinander, auch unter den "Stammstimmen". Das mag aber eventuell daran liegen, dass man mit diesem neuen MOTU-Produkt noch nicht ausreichend warmgehört ist.

Fazit: Der Cast ist größtenteils sehr gut und häufig passend auf die Figuren besetzt. Die Geschichte ist nachvollziehbar, im Kern gut und bietet viel Potenzial für zukünftige Folgen. Musiken und Produktion sind gelungen und man hört deutlich, dass es wohl nicht darum ging, Kohle zu scheffeln, sondern eine möglichst gute Hörspielserie zu schaffen, die den Fans Spaß und Unterhaltung bieten soll. Mag ich in einigen Punkten (noch) nicht mit allem zufrieden sein, muss ich doch konstatieren, dass ich die Liebe von Fans - und darum handelt es sich hier! - zum Masters-Franchise ohne Mühe heraushöre. Allerdings ist es nicht nur diese Fan-Liebe, sondern auch der Aufwand, den ich in der gesamten Produktion heraushöre, ebenso wie der Aufwand in der Gestaltung.

Ah, die Gestaltung! Das Covermotiv gefällt mir sehr gut. Es zeigt wohl den Moment, in welchem der frisch verwandelte He-Man vom Himmel fällt. Es wird im Hörspiel aber erklärt, dass Hordak eine rote Fledermaus auf der Brust trage. Das Zeichen der wilden Horde, wie wir ja alle wissen. Doch in diesem Hörspiel ist das noch nicht bekannt. Und Grizzlor, Mantenna und Leech werden zwar von den ausgeplünderten Menschen "Die wilde Horde" genannt, doch ist Hordak noch nicht ihr Anführer. Wieso tragen also Grizzlor und Hordak (und Mantenna und Leech vermutlich auch) auf dem Cover eben jene rote Fledermaus? ;) Mit Wohlwollen könnte man sagen, dass die Actionfiguren nunmal eben genau so aussehen, darum wurden sie auch so gezeichnet, und dass das Cover eben vorausschauend versinnbildlicht, dass diese vier auf jeden Fall sehr bald zur selben Fraktion gehören werden.

Noch ein Punkt zur Gestaltung: Auch die restliche Aufmachung finde ich gelungen. Unter der CD im Inneren des Jewelcases wird man von den roten, "explodierenden Steinen" der Figuren-Cards angelächelt (das mit Blitzen verzierte Zauberschwert im Vordergrund hätte ich nicht gebraucht), im Booklet wird die nächste Folge gezeigt und gemäß der Europa-Reihe erfährt man sogar, welche Folgen es gibt, bzw. welche bald erscheinen. Ein nettes Detail. Jedoch empfinde ich die Rollennamen, die immer über den Namen der Sprecher/innen stehen, nicht gut lesbar. Der Farbton müsste heller, kräftiger sein.

Kurz und gut: Ich muss sagen, die allermeisten meiner Befürchtungen wurden zerschlagen. Mehr noch, ich bin sehr positiv überrascht. Luft nach oben ist zweifelsfrei vorhanden, aber ich bin augenblicklich gern bereit, benannten Weg nach oben mitzugehen.

PS: Den Titel der Folge empfinde ich als zu generisch. Ein Netz - und sei es ein metaphorisches - gibt es eigentlich nicht. Etwas im Sinne eines Helden, der erscheint, oder etwas Bösem, das sich (für die Zukunft) anbahnt, oder der Verzweiflung der Bewohner/innen, fänd ich passender.


Meine Wertung: 69%
(Bemusterung erfolgt)
Cover: Die Burg der Zeitlosen
Rolle Sprecher/in
-Erzähler/in- Patrick Messe
Adam David M. Schulze
Battle Cat Pat Zwingmann
Beast Man Thomas Balou Martin
Buzz-Off Patrick Kropp
Cringer Pat Zwingmann
Evil-Lyn Maria Koschny
Fisto Jens Wendland
He-Man David M. Schulze
Iasos Daniel Schröckert
Man-At-Arms Achim Buch
Mekaneck Omid-Paul Eftekhari
Orko Matthias Brinck
Raenius Tino Kiessling
Ram Man Christian Jungwirth
Skeletor Johannes Steck
Stratos Marc Schülert
Teela Lisa Cardinale
Zauberin von Grayskull Kerstin Draeger
Zeitlose Heikedine Körting
Zeitloser 1 Engelbert von Nordhausen
Zeitloser 2 Henry König
Zetos Sean Daniel Lowe
Rezension vom: 26.12.2024

Masters of the Universe
(2) Die Burg der Zeitlosen
Erschienen: 2024
Dauer: 1:09:12


Die magischen Ströme fließen wieder aus der Quelle der Magie. Doch damit ist auch unbeabsichtigt das unheimliche Wesen Skeletor nach Eternia gelangt. Der dämonische Hexenmeister greift ohne zu zögern Castle Grayskull an, die Burg der Zeitlosen. Von der Hüterin der uralten Festung alarmiert, eilen He-Man und die Verteidiger Eternias zu Hilfe. Dabei stellen sich ihnen gefährliche Kreaturen und magische Mächte entgegen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Mein Kommentar: Die Burg der Zeitlosen macht nahtlos dort weiter, wo (1) Im Netz des Bösen endete. Um nicht zu spoilern, werde ich deshalb auch nicht sagen, wie es zuvor endete, beziehungsweise, wie es hier weitergeht. Dennoch muss ich natürlich hin und wieder auf einzelne Vorkommnisse eingehen, um meine Sichtweis zu verdeutlichen, sodass ich nicht vollkommen ohne, wenn auch kleine, Spoiler fortfahren kann.

Und eine Sache, die in der ersten Szene startet, und sich in diversen Momenten weitererzählt, ist die Charakterentwicklung von Evil-Lyn (oder auch Lyn). Es gibt viel später nochmal den Augenblick, wo sie nach Hordak gefragt wird und sie erklärt sinngemäß, Hordak sei die Vergangenheit, Skeletor sei die Zukunft. Es besteht die Möglichkeit, dass sie dies nur sagte, um in dieser Situation selbstbewusst zu wirken - unabhängig davon, was sie tatsächlich denkt oder plant.

Doch, zurück zum Anfang und Lyns Charakterentwicklung: Sie selbst erklärt, dass sie sich (Zitat) "mit ein paar Blitzen und etwas Blendwerk durch's Leben schlägt". Oder anders: Sie hat zwar magische Fähigkeiten, aber sonderlich gut sind ihre magischen Fähigkeiten nicht. Doch es langt immerhin, sich halbwegs durch das Leben zu schlagen. Und sie möchte von Skeletor lernen. Hier noch Frage: Hätte sie nicht von Hordak ebenfalls lernen können?

Aber nur kurz darauf ist sie in der Lage, Zoar - sich ganz in der Nähe von Castle Grayskull am Himmel befindend - zu überraschen und zu lähmen. Wie kann sie, eine Magienovizin, ein so mächtiges magisches Wesen, noch dazu in enger Verbindung zu Grayskull stehend, erwischen, geschweigedenn überraschen? Müsste Zoar nicht ahnen, oder spüren, dass da jemand lauert? Müsste ausgrechnet Zoar von ausgerechnet Lyns Hexerei nicht relativ unbeeindruckt sein? Noch dazu in unmittelbarer Nähe von Cate Grayskull?

Direkt im Anschluss daran, öffnet Lyn dann auch das Tor von Castle Grayskull. Sie selbst zweifelt zunächst, als Skeletor ihr dies befiehlt. Doch er feuert sie quasi an. Sie solle nicht nachdenken, solle die Magie spüren, sie schaffe es. Und es gelingt ihr, das Tor zu öffnen. Und wie bei Zoar die Frage: Eine Anfängerin, welche eben noch bloß zu ein paar Blitzen und ein wenig Blendwerk fähig ist, unterwirft sich sozusagen die Macht Castle Grayskulls?

Man mag nun argumentieren, dass doch gesagt werde, dass Grayskulls Macht gerade erst erwache und dass darum noch nicht viel Widerstand vom Adler oder der Burg zu erwarten sei. Und Skeletor willigt zwar ein, Lyn in Magie zu unterrichten, aber sie hat bislang noch nicht die allerkleinste Lektion erhalten, geschweigedenn auch nur die allerkleinste Übung absolviert. Wie ist sie also in der Lage, binnen Sekunden und auf Anhieb, Grayskull zu öffnen oder Zoar am Himmel zu erwischen, ohne, dass dieser auch nur das Geringste merkt? Sollten Zoar und Grayskull nicht zumindest für solche Dinge auch jetzt schon immerhin ausreichend stark sein?

Mein Bild zu diesem Zeitpunkt ist: Lyn ist bloß eine Betrügerin, eine Ausnutzerin der Schwächeren. Sie wird wohl später mal mächtig und gefährlich sein, aber jetzt ist sie das beileibe noch nicht. Sie ist eine noch unsichere Anfängerin, die von vielen Dingen noch überhaupt nichts weiss und viele Zusammenhänge nicht kennt (wie mehrfach in dieser Folge auch betont wird!) - und hat dann hat sie gleich Zoar und Grayskull im Griff? Lyns Entwicklung vollzieht sich deutlich zu schnell. Kurz: Es fehlt hier die Erklärung. Wie Castle Grayskull, selbst, wenn seine Macht noch nicht wieder voll erblüht ist, so leicht von einer "Taschenspielerin" zu unterjochen ist. Wenn die Erklärung "mit ein paar Blitzen und etwas Blendwerk durch's Leben schlagen" schlicht eine flapsige, verbale Banalisierung ihrer Lebensumstände war, eine bewusste Untertreibung, wird das nicht ausreichend verdeutlicht. Mir als Hörer war nämlich auch in (1) Im Netz des Bösen nichts außer der Tatsache ausgefallen, dass Hordak die ganze Zeit redet, Lyn stets nur neben ihm steht, und beide eigentlich nur die Leute mit Worten manipulieren, obwohl sie das offenkundig kein Stück nötig hätten.

Im Verbund damit, ich erwähnte gerade eine mögliche "flapisge Benalisierung" in Wortform, ist die Sprache ein wenig zu jugendlich modern. Gott sei Dank fallen keine Formulierungen wie "das ist cringe" oder "das finde ich nur so semi", aber dennoch fällt eine deutlich lässige Tonalität auf. Bei Fisto und seinen Kommentaren, die ich bereits in (1) Im Netz des Bösen erwähnte, nicke ich das noch durch; ein wenig Farbe tut dem Charakter gut und er hätte so dann ein Alleinstellungsmerkmal. Doch wenn Skeletor und Lyn auf eine ähnliche Weise sprechen, empfinde ich das eher als bemüht, statt bad-ass. Ständig fallen Begrifflichkeiten wie, dass Castle Grayskull ein "Steinhaufen" oder He-Man ein "Muskelprotz" sei, der ein "Schwert in die Hand gedrückt" bekam, damit er für die Zauberin kämpfe. Lyn fordert überheblicherweise "Lasst mich mal durch, Jungs!" oder sie bemerkt kokett, dass die Masters "immer so ernst" seien. Bitte nicht, liebe Macher/innen, das nimmt viel von der Immersion.

Ach ja, wo ich gerade bei Immersion bin: Wieso fällt He-Man auf Lyns Maskerade rein, aber Teela hält es direkt für eine potenzielle Falle? Müsste He-Man nicht viel über Castle Grayskull wissen, weil er die ganze Sache ja nun schon eine Weile macht...!? Zumal sich Lyn in der Getalt der Zauberin ja auch durchaus sehr hektisch, niederträchtig und scharf anhört. Okay, es soll wohl für uns Hörer/innen etwas zu ahnen sein, wir sollen es heraushören können. Doch Teela erklärt jede Menge Dinge, die ihr deutlich machen, dass etwas nicht stimme. Sie beschreibt unter anderem verdächtige Fußsspuren und dergleichen. Und ausgerechnet He-Man hat nichts von alledem wahrgenommen? Hat er nicht kurz vorher selbst noch gesagt, dass etwas seltsam sei? Nur dann schob er es lapidar beiseite. Sollten nicht zumindest einige der Warnsignale, die Teela nur Momente später auffallen, zu ihm durchdringen, wenn er ohnehin schon etwas ahnte? War er unvorsichtig, weil die vermeintliche Zauberin ihn zur Eile mahnte? Oder ist er generell hitzköpfig?

Doch dann steht er also in einem Raum und verschiebt munter einge Dinge, weil die vermeintliche Zauberin es mehr oder weniger von ihm verlangt. Fällt ihm denn nicht auf, dass sie nicht wie sie selbst klingt? Sollte er die Zauberin nicht bereits halbwegs ausreichend kennengelernt haben? Auch hier fehlen wieder einige Punkte in der Charakterzeichnung, denn wieder wird von mir erwartet, dass ich eine Situationsbeschreibung einfach schlucke, obwohl sich abermals ein Charakter entgegen meiner bisher aufgebauten Vertrautheit verhält. Ein Charakter sollte zu einem gewissen Grad immer lesbar und vorhersehbar sein.

Das führt zu jeder Menge Fragen und dem Gefühl, dass der Fokus vor allem auf den Meilensteinen in der Story liegt und weniger darauf, dass man diese Meilensteine versteht und nachvollzieht. Das wird besonders deutlich an einer Sache: Etwa in der Mitte des Hörspiels wird explizit herausgestellt, dass Teela etwas an Castle Grayskull wahrnimmt, das sie nicht ganz in Wort fassen kann. Darauf erklärt He-Man dies als "Das ist die Macht von Grayskull!". Er kennt also Grayskull und die Zauberin sehr gut - und auch die Macht von Grayskull ist sehr wohl zu vernehmen (wieso also hat Lyn so leichtes Spiel!?). Darum nochmal: Es fehlt für mich als Hörer die nachvollziehbare Relation der jeweiligen Mächte zueinander. Grayskull ist da, aber seine Macht noch nicht, aber die Macht ist schon spürbar - und verwandeln kann Adam sich auch bereits (in He-Man). Lyn ist bloß eine Anfängerin, hat keine Ahnung von vielen Zaubern und kennt auch Grayskull oder seine Macht noch überhaupt nicht, aber sie ist so mächtig, dass sie Zoar und Grayskull kontrollieren kann.

Bevor ich gleich noch auf die Produktion zu sprechen komme, noch eine letzte Szene, die ich erwähnen möchte: Das fünfminütige Gespräch zwischen He-Man und den Zeitlosen ist... ...merkwürdig. Oh ja, das Gesagte klingt mystisch, gewichtig und eindringlich, aber letztlich sagen die Zeitlosen nichts ohne tatsächliche Substanz. Und am Ende wird das alles resümiert mit "Das klingt zwar alles abstrus, aber Du wirst bald alles verstehen". Doch alles, was sie sagen, ist nur, dass der angerichtete Schaden reversibel sei und dass die Zeitlosen stark mit Castle Grayskull verbunden seien.

Zur Produktion. Die ist erneut gelungen. Musiken, Effekte, Sprecher/innen - alles wunderbar gemischt. Und auch die Story gefällt mir ganz gut. Ich bin allerdings auch ein Masters-Fan seit den 80er-Tagen. Ich kenne den Lore mehr oder weniger in- und auswendig, weil ich auch die diversen MOTU-Reboots und -Lines kenne. Sei es der Rat der Weisen aus der 2000er-Serie, Skeletor und Evil-Lyn, die via Revelation/Revolution intim wurden, die Keldor-Hintergrundgeschichte der Minicomic-Tage und und und... Ich kann mir alles das zusammenreimen. Doch wenn ich mich ernsthaft (im Rahmen dieser Rezension) mit diesem Hörspiel auseinandersetzen und nicht bloß Fan der Marke und froh über neue Hörspiele sein soll (was ich bin), muss ich monieren, dass innerhalb dieser Hörspielserie mehr auf die Nachvollziehbarkeit der Charakterzeichnungen geachtet werden sollte.

Zu den Stimmen und ihren Sprechern und Sprecherinnen: Maria Koschny als Lyn/Evil-Lyn gefällt mir hervorragend! Ich mag ihre Performance sehr - die Koschny knallt einfach. Auch Johannes Steck als Skeletor ist wunderbar gecastet, der passt super. Zwei derartig wichtige Rollen so gut besetzt zu wissen, macht Freude auf die Zukunft dieser Hörspielreihe. Das gilt ganz allgemein auch für den Rest des Casts. Im Besonderen meine Freude über Kerstin Dreager ist ungebrochen, denn als Zauberin von Grayskull wird sie wohl oft zu hören sein. Und die kleinen Sprengsel hier und da, in Form von etwa Engelbert von Nordhausen, Henry König oder sogar Heikedine Körting gefallen. Bei aller Klasse habe ich beim Erzähler aber immer noch das Gefühl, dass er mir eigentlich irgendein Körperpflegeprodukt oder eine für mich sehr vorteilhafte Geldanlageempfehlung angedeihen lassen möchte. Auch Orko und Teela klingen noch etwas nach "im Studio vor dem Mikro". Gerade Orko wirkt, auch nach einer jetzt längeren Eingewöhnung, zu künstlich und die Stimmlage ist zu hoch. Das fällt inmitten all der anderen Stimmen umso mehr auf, gerade, wenn er aufgeregt oder sehr freudig ist ("Was für ein großartiges Geheimnis!"). Aber ich mag seine kichernde Lache sehr. Die hat was sympathisches und ist sehr ähnlich zu dem, wie es damals bei Europa (Matthias Grimm) auch war. Ähnlich Stratos: Toller Sprecher, toll gesprochen. Und er klingt dem Europa-Stratos (Joachim Richtert) sehr nah, gerade auch, wenn er sein glucksendes Lachen tut.

Es sind, wie ich bei (1) Im Netz des Bösen schon schrieb, Anspielungen und Details wie diese, die deutlich hörbar machen, dass hinter diesem Produkt Masters-Fans stecken, die, nach all den Jahren, für Masters-Fans neue Masters-Hörspiele bieten möchten. Von all den kleinen Momenten oder Erwähnungen hier und dort ganz zu schweigen. Es gibt viel zu entdecken und zu bemerken. Man kann sich etwa jetzt schon denken, was genau die Lösung dafür sein wird, Battle Cat vor Beast Mans Kontrollfähigkeiten zu schützen, denn offenbar ist er momentan wohl noch allein in seinem Fellkleid unterwegs... Aber es gibt auch, auch wieder Dinge, die zur Verwunderung anregen - siehe meine Rezension zu (1) Im Netz des Bösen zum Thema Unsicherheiten.

Wenn es eine Sache gibt, die ich ernsthaft an diesem Hörspiel kritisiere, dann die teils unausgewogenen Charakterzeichnungen - und die üblichen kleinen Dinge, die an der Story auf-, aber nur gering ins Gewicht fallen. Der Rest des Hörspiels passt an und für sich. Allerdings: Der Kontrast der Rollennamen im Cover ist abermals sehr schwach. Hier bitte mal den Leuten, die am Layout arbeiten, 'n Memo geben. :)


Meine Wertung: 67%
(Bemusterung erfolgt)
Cover: Der Kristallschild
Rolle Sprecher/in
-Erzähler/in- Patrick Messe
Adam David M. Schulze
Battle Cat Pat Zwingmann
Beast Man Thomas Balou Martin
Buzz-Off Patrick Kropp
Cringer Pat Zwingmann
Evil-Lyn Maria Koschny
Fisto Jens Wendland
Grizzlor Christian Deutsch
He-Man David M. Schulze
Hordak Wolfgang Häntsch
Leech Klaus Krückemeyer
Man-At-Arms Achim Buch
Mantenna Toni Sattler
Mekaneck Omid-Paul Eftekhari
Mer-Man Dirk Hardegen
Modulok Enno Kalisch
Orko Matthias Brinck
Raenius Tino Kiessling
Ram Man Christian Jungwirth
Skeletor Johannes Steck
Stratos Marc Schülert
Teela Lisa Cardinale
Whiplash Tim Grobe
Zauberin von Grayskull Kerstin Draeger
Zeitloser Engelbert von Nordhausen
Masters of the Universe
(3) Der Kristallschild
Erschienen: 2024
Dauer: 1:04:26


He-Man und den Verteidigern Eternias ist es gelungen, die Zerstörung Castle Grayskulls zu verhindern und den Fluss der Magie wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Doch eine neue Bedrohung zwingt die Giganten des Universums zum Handeln. Freunde werden zu Feinden. Die verschollenen Teile des Kristallschildes müssen gefunden werden. Und dann treffen He-Man und Skeletor erstmals aufeinander. Doch auch der mysteriöse Hordak bleibt nicht untätig.

11 regelmäßige Rollen für Masters of the Universe

Rolle/Figur Sprecher/in Folge/n Σ
-Erzähler- Patrick Messe 1~3 3x
Adam David M. Schulze 1~3 3x
Evil-Lyn Maria Koschny 1~3 3x
Fisto Jens Wendland 1~3 3x
He-Man David M. Schulze 1~3 3x
Man-At-Arms Achim Buch 1~3 3x
Orko Matthias Brinck 1~3 3x
Raenius Tino Kiessling 1~3 3x
Skeletor Johannes Steck 1~3 3x
Teela Lisa Cardinale 1~3 3x
Zauberin von Grayskull Kerstin Draeger 1~3 3x

Hier stehen nur diejenigen Rollen, die wenigstens 3x mit dem-/derselben Sprecher/in in der Serie vorkam. Fehl- oder Falschangaben diverser Charaktere und Sprecher/innen in den Inlays/Covern dieser Serie wurden berücksichtigt und nach bestem Wissen und Gewissen hier korrigiert.