Rezension vom: 29.01.2026
Rocky Beach Crimes
(1) Tödliche Törtchen - Tante Mathilda ermittelt
Erschienen: 2026
Dauer: 4:34:10Kaum weilen die drei ??? einmal nicht im sonnigen Rocky Beach, geschehen dort heikle Verbrechen: Beim Backwettbewerb sackt Jury-Mitglied Gregory Weston ausgerechnet über Tante Mathildas Kirschkuchen in sich zusammen. Das kann Mathilda Jonas nicht auf sich sitzen lassen. Kann sie den Tod des berühmten Schauspielers aufklären? Beherzt und voller Tatendrang mach sich Justus' Tante auf die Suche nach der Wahrheit.Mein Kommentar: Es fällt mir unwahrscheinlich schwer, mich an Details aus diesem Hörbuch zu erinnern. Sicherlich, die Grundpfeiler habe ich mitbekommen: Ein Mann isst Kuchen, stirbt daran, ein Polizist kommt bei Tante Mathilda und Onkel Titus unter, irgendwas mit Pilzsporen und so weiter. Aber wann Tante Mathilda wo bei wem oder mit wem sprach, was sie in welcher Reihenfolge und auf welche Weise ermittelte - ich weiss es nicht. Und das liegt nicht an der Geschichte selbst, die Kari Erlhoff schrieb.
Es liegt am Vorlesen der Geschichte. Dabei sind Rike Schmids Tempo und Aussprache sehr gut, sogar tadellos. Und Frau Schmid kann toll vorlesen und schauspielen. Das hat sie bereits bewiesen. Doch bei diesem Hörbuch betont sie alle Sätze auf die immer selbe Weise, und der Klang ihrer hier gebotenen Vorlesestimme ist distanziert, verhältnismäig hart, umspielt von einer gewissen oberflächlichen Lässigkeit. Dazu immer dieses langgezogene Aushauchen des letzten Buchstaben eines Satzes.
Es fällt mir darum sehr schwer, mich der Geschichte hinzugeben. Es gab durchaus einige Momente, in denen ich das kurzzeitig einfach mal beiseite schieben und nur dem Storyverlauf folgen konnte (etwa: ein Mann will auf eine Bühne hinauf, aber Tante Mathilda stellt sich ihm in den Weg). Aber allzu schnell drang dann doch wieder das immer selbe Betonungsschema in mein Bewusstsein. Und mit über viereinhalb Stunden Spielzeit kommt so dann hinzu, dass ich dieses Hörbuch eher durchgehalten, statt ihm aufmerksam zugehört habe. Ich habe es quasi pflichtbewusst bis zum Ende mehr oder weniger "angehört".
Ich erinnere mich bei diesem Fall nicht einmal daran, wer es warum getan hat, oder wie der Polizist heisst, der bei Tante Mahilda und Onkel Titus kurzzeitig einzog. Das Buch von Kari Erlhoff, das hier vorgelesen wird, könnte alles mögliche zwischen "unglaublich schlecht" und "unfassbar brilliant" sein. Aber ich kann fast nichts dazu schreiben.
Darum vergebe ich hier eine Wertung allein aufgund der Gesamterfahrung, welche, immerhin in meinem Fall, schwer nachvollziehbar gemacht wird. Oder mit anderen Worten: Ich bewerte hiermit auf keiner Ebene die von Kari Erlhoff verfasste Geschichte.
Meine Wertung: 25%(Bemusterung erfolgt)
Rezension vom: 29.01.2026
Rocky Beach Crimes
(2) Mord unter Palmen - Victor Hugenay ermittelt
Erschienen: 2026
Dauer: 4:44:52Der legendäre Kunstdieb Victor Hugenay kehrt zurück nach Rocky Beach. Dass Justus, Peter und Bob gerade außerhalb ihres Heimatortes ermitteln, kommt ihm gerade recht, denn er hat es auf ein ganz bestimmtes Gemälde abgesehen. Doch in der Villa des kürzlich verstorbenen Harald Hastings wird er fälschlicherweise für einen Privatdetektiv gehalten. Die Erben wollen, dass er das verschollene Testament des Toten sucht. Kann Hugenay den letzten Willen und das wertvolle Kunstwerk finden?Mein Kommentar: Von Evelyn Boyd geschrieben, von Steffen Grothe vorgelesen, kommt als zweites Buch/Hörbuch der "Rocky Beach Crimes"-Rehe nun Mord unter Palmen - Victor Hugenay ermittelt. Und es gefällt mir richtig gut. Ich muss zugeben, als ich zum ersten Mal von diesem ???-Spin-off las, war ich sehr skeptisch. Kann das funktionieren? Werden dann nicht doch immer wieder die drei Detektive eingespannt? Wird es da auch ständig um krampfige Rätsel und all das gehen?
Bei
(1) Tödliche Törtchen - Tante Mathilda ermittelt konnte ich hierzu ja keine Aussage treffen, aber wie ist es mit Mord unter Palmen - Victor Hugenay ermittelt? Frau Boyd gelang es wunderbar, Hugenay glaubhaft zu schildern; auch seinen Beweggrund, sich dieses Falls anzunehmen. Er ist durch und durch Gentleman, ja sogar empathisch. Ein paar neue Facetten kommen hinzu, aber keineswegs wird dem Victor Hugenay, wie wir ihn bislang aus Büchern und Hörspielen kennen, widersprochen. Er IST der Victor Hugenay, den wir bereits kennen.
Darüber hinaus waren die 4 Stunden und 45 Minuten spannend. Nicht Fingernägel-in-die-Armlehne-krallen-spannend, dazu ist dieser Fall viel zu unaufgeregt. Aber man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Wer, von all den verdächtigen Personen, ist es warum gewesen? Hat die Hastings es doch faustdick hinter den Ohren - tut die nur so nett? Wird Hugenay am Ende das bekommen, was er bekommen möchte?
Sehr zur Atmosphäre trägt Steffen Grothe als Vorleser bei. Alle Charaktere erhalten von ihm eine eigene Stimme. Er spricht, wenn notwendig, sogar mit Akzent. Dazu ist sein Tempo optimal und sein Schauspiel sehr überzeugend. Er hält sich zurück, ist aber echt genug, um die Charaktere und ihre momentane Stimmung greifbar zu machen.
Wenn ich ernsthaft etwas krisitieren müsste, wäre 1), dass ich ein mildes, ein sehr mildes, Augenrollen empfand, als doch tatsächlich ein Rätselvers wichtig ist und ein "Monster" von Belang ist. Da es bei ersterem aber um ein Testament geht, und der Verstorbene seine Hinterbliebenen damit ärgern will, passt es noch ausreichend ins Bild. Bei zweiterem verhält es sich so, dass niemand ernsthaft an ein Monster glaubt, und man vielmehr in Erfahrung bringen möchte, wer warum dahinter steckt, und was das für ein Monster sein soll. Und 2), ja, ein wenig simpel, wenn auch charmant genug, fand ich das Stilmittel, Rätsel und Monster zu Beginn einzubeziehen, denn hier fallen viele Zitatversatzstücke vergangener ???-Fälle. 3) Wie Hugenay in die Zentrale gelangt... ...ja, okay, es KÖNNTE so passieren, aber es war doch etwas zu glatt. Natürlich hätte Hugenay auch auf andere Art an solcherlei Utensilien kommen können, aber ich glaube, Frau Boyd wollte einen kleinen Fingerzeig auf die ??? einbauen; immerhin stehen diese ja quasi Paten für diese Reihe. Und darum drücke ich ein Auge zu.
Nur eins noch - Spoilerwarnung für diesen Absatz! - möchte ich loswerden: Es ist eindeutig, dass Hugenay nicht ganz so inkognito bleiben kann, wie er gern würde, denn da er ja als jemand anderes in Erscheinung tritt, weiss man, diese andere Person muss früher oder später ebenfalls in den Fall treten. Zwar wartet Frau Boyd bis ganz zum Schluss damit, und selbst dann ist es mehr eine Randnotiz, eine Art Fußnote der Romantik. Ob man das jetzt "zu simpel" oder "eigentlich gar nicht so wichtig" findet, ist Geschmackssache. Mich stört es nicht sonderlich. Ich finde aber, der Fall hätte zumindest etwas an Tiefe gewonnen, wäre das Gespräch zwischen der anderen Personen und Miss Hastings direkt geschildert worden, weil man so wüsste, dass die Hastings bescheid weiss, und man sich so noch mehr fragen würde, ob sie Hugenay auffliegen lässt, sie ihn für ihre Zwecke missbraucht, oder sie ihn vielleicht sogar mag...
FAZIT: Besonders gut gefällt mir, dass viel ermittelt und geschlussfolgert wird. Nur selten wird Hugenay zufällig Zeuge von etwas. Und, wie bereits erwähnt, es bleibt stets die Frage offen, ob die Hastings nicht bloß eine Scharade abzieht - clever geschrieben. Mir gefällt dieses Hörbuch wunderbar, und damit habe ich nicht gerechnet. Im Gegenteil, jetzt wünsche ich mir, dass noch mehr Fälle dieser Art veröffentlicht werden. Vielleicht ja sogar wieder einmal mit Hugenay als Protagonisten. Betreibt man es nicht zu inflationär, und glaubwürdig soll es auch bleiben, könnte das funktionieren. Bei den Büchern ist man Stand jetzt (Ende Januar 2026) bei mittlerweile 5 Fällen angelangt - hoffentlich geht es weiter, vor allem, auf allermindestens diesem Niveau.
...der Titel allerdings. "...unter Palmen"? Die sind nicht im Mindesten relevant, werden sogar eigentlich gar nicht erwähnt. Hätte man das nicht passender machen können, Kosmos!?
Meine Wertung: 85%(Bemusterung erfolgt)
Rezension vom: 30.01.2026
Rocky Beach Crimes
(3) Eiskalter Rausch - Kommissar Reynolds ermittelt
Erschienen: 2026
Dauer: 4:47:58Kommissar Reynolds genießt seinen wohlverdienten Ruhestand, aber sehnt er sich nicht insgeheim zurück nach der Verbrecherjagd? Als Rubbish George ihm von verdächtigen Überfahrten eines Bootes im Hafen von Rocky Beach berichtet, wird er hellhörig. Wenig später erscheint Rubbish nicht zum vereinbarten Treffpunkt . Reynolds nimmt seine Spur auf, denn die drei ??? sind gerade anderweitig beschäftigt. Der Kommissar läuft zu alter Hochform auf und übernimmt den Fall. Wird er Rubbish George finden?Mein Kommentar: Von den ersten drei Hörbüchern dieser Reihe gefällt mir Eiskalter Rausch - Kommissar Reynolds ermittelt, geschrieben von Evelyn Boyd, am besten (dicht gefolgt von
(2) Mord unter Palmen - Victor Hugenay ermittelt). Das mag auch daran liegen, dass dieses Detektiv-Ding bei Reynolds am allerbesten passt. Immerhin ist er ein sehr erfahrener Polizist im Ruhestand. Er ist von allen Charakteren aus dem ???-Kosmos einfach derjenige, der hierbei am glaubhaftesten wirken muss, und das auch tut.
Aber es liegt auch daran, dass Stephan Benson so gut vorliest - alle Charaktere klingen etwas anders und er schauspielt immer auch ein wenig, sodass die Charaktere, die vorkommen, jederzeit glaubhaft sind. Der überhebliche Politiker, der ruppige Eisladenbesitzer... ...aber auch die altbekannten Charaktere, darunter etwa Inspector Cotta und Skinny Norris, die gut ins Bild passen.
Jedoch empfinde ich nicht alles als eitel Sonnenschein; vermutlich gerade WEIL mir dieser Fall so gut gefällt. Beispielsweise die Szene mit Reynolds an Bord des Schiffes, bei der man vorher ganz genau weiss, dass er entdeckt und dann gefangen gehalten werden wird. Aber man weiss auch, dass er kurz darauf durch einen Zufall daraus entkommen wird. ...ob er vorher noch schnell eine SMS an Cotta geschickt hat? Tja, wie das aufgelöst wird, ist zwar in der Tat seeeeehr zufällig *räusper*, aber auch charmant geschrieben und wartet sogar mit einer Überraschung auf. Ich nenne aber mal keine Details, um nicht zu viel zu verraten.
Eine Spur unglaubwürdig empfinde ich auch die Sache mit Leslie Dimple. Dass sie Reynolds behilflich und gern Teil einer Emittlungsarbeit ist, glaube ich. Denn das passt gut zu ihr. Aber dass sie einfach so ohne viel drumherum mitmacht, finde ich etwas, nunja: unglaubwürdig in Szene gesetzt. Schließlich bringt sie doch ein ziemlich großes Opfer. Selbst, wenn sie es gern bringt, wäre mir sehr lieb gewesen, wenn die Gespräche zwischen Reynolds und Leslie etwas ausführlicher geschildert worden wären, sodass man Leslies Motivation und/oder Reynolds Überredungskünste besser nachvollziehen könnte.
Auch ein Detail Rubbish George betreffend finde ich nicht vollends überzeugend geschildert. Spoilerwarnung - gilt bis zum Ende dieses Absatzes!! Warum man Rubbish George an Bord völlig frei herumlaufen lässt, wird zwar später erläutert, aber doch sehr halbseiden abgehakt. Diejenigen, die wirklich das Sagen haben, hätten doch problemlos darauf bestehen sollen und können, ihn aus dem Weg zu räumen. Er war schlicht eine zu große Gefahr. Dass es hier eigentlich nur darum ging, durch die Lösung des Falls am Ende besser hinzubekommen, ist offentlichtlich.
Ebenso die Oberboss-Enthüllung: Als es auf das Ende zugeht, erklärt man, man wisse den Namen, sage ihn aber nicht. Dass es sich hierbei erneut um ein Stilmittel der Autorin handelt, ist logisch: Sie wollte nochmal einen kleinen Überraschungsknall präsentieren. Doch ist ohnehin klar, WER hier Oberboss sein muss. Sooooo wahnsinnig viele Leute kommen in der Geschichte auch wieder nicht vor, und gerade zum Ende hin bleiben kaum noch Vedächtige übrig... Die Überraschung ist also eigentlich keine, sodass der Name auch gleich hätte genannt hätte werden können.
Nichtsdestotrotz sind all die gerade genannten Kritikpunkte keine wirklichen Probleme. Die Story macht einfach viel zu viel Spaß, ist ansonsten rund geschrieben und, wie auch bei
(2) Mord unter Palmen - Victor Hugenay ermittelt der Fall, ist sie ein schöner Krimi, ohne all die ganze draufgepampte Mystik, wie sie bei den modernen "Die drei ???"-Geschichten sooooo oft vorkommt. Ich würde sogar sagen, nach alles, wie ich die Crimes-Reihe bislang wahrnehme, ist sie erwachsener, ohne dabei auch nur einen Deut brutaler oder vulgärer zu sein, als "Die drei ???" es in den letzten Jahren war.
Ferner passt Reynolds einfach perfekt auf diese Art Geschichten. Man kann ihn durchaus als Fansympathieträger bezeichnen, und seine leicht bärbeißige Art, sowie seine vielen Kontakte verlangen geradezu nach solchen Geschichten. Aber bitte, liebe Schreiber/innen, FALLS der Gedanke bei Euch Anklang findet, Reynolds häufiger antreten zu lassen, bitte belasst es bei Krimis und Ermittlungsarbeit, und entfernt Euch weiterhin weit, weit weg von irgendwelchen angeblichen Monstern, Geistern, Vogelmenschen und all so'm Zeug. Auch, dass Jutus, Peter und Bob nur sehr marginal vorkommen, empfinde ich als großes Plus.
FAZIT: Ein Krimi, wie die drei Satzzeichen ihn schon längst mal wieder hätten haben sollen. Evelyn Boyd als Autorin sowie Stephan Benson als "Vorleser" liefern mehr als nur grundsolide ab. Die Story wurde gut bis sehr gut geschrieben und hervorragend vorgelesen.
Meine Wertung: 88%(Bemusterung erfolgt)